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BeitragVerfasst: 12.04.2018, 20:35 
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Hallo zusammen!
Weil der TÜV auch bei meinem Panda ein verschlissenes hinteres Querlenkerlager bemängelt hatte,
musste ich dieses Problem nun wohl oder übel innerhalb eines Monats lösen... :(

Mahathma hat ja in seinem Beitrag 57860722nx58/fiat-panda-ii-typ-169-hilfe-forum-f148/traggelenke-querlenker-wechseln-t7172.html bereits sehr schön den Ausbau / Einbau so eines Querlenkers beschrieben, und getreu dem Motto "man wächst mit seinen Aufgaben" beschloss ich, die lose Gummibuchse selbst zu erneuern. Noch vor Beginn der Arbeiten orderte ich dazu aus der Bucht nicht nur 2x die Gummibuchse, sondern dazu noch zwei passende Rohrstücke (eins mit 62mm Innen-DM und eins mit 60mm Außen-DM), mit deren Hilfe ich die äußere Aluhülse der Gummibuchse aus- und die neue auch wieder einpressen wollte. Das Auspressen habe ich dann aber gar nicht erst probiert, weil die Aluhülse sichtbar derart festkorrodiert war, dass ich meinen Schraubstock nicht gleich zu Arbeitsbeginn ruinieren wollte.
Das Gummi war so locker, dass ich es von Hand herausdrehen konnte. An wenigen Reststellen haftete es aber noch an der Aluhülse, so dass die Ausrichtung der Gummibuchse im Querlenker-Stahlauge bekannt war und markiert werden konnte (eine Gumminase berührt fast den äußeren Gummiring in Fahrtrichtung vorne/außen, vermutlich um bei starkem Bremsen die Richtungsstabilität sicherzustellen).
Im Stahlauge saß jetzt also noch die festkorrodierte Aluhülse, und statt erfolgloser Auspressversuche habe ich sie bis auf einige 10tel mm Sicherheitsabstand zum Stahl zunächst eingesägt und dann entlang der Ansägung mit einem stumpfen Stechbeitel herausgehebelt (bucklige Seite des Beitels zum Stahl gerichtet). Das ging problemlos, fast ohne Spuren im Stahlauge zu hinterlassen. (Das Foto des zum Einpressen vorbereiteten Schraubstocks von rechts oben zeigt die entfernte Aluhülse der alten Gummibuchse, die neue Buchse und das lose Gummiteil der alten Buchse).

Für das Einpressen erwies sich die Gesamtlänge der beschafften Rohrstücke dann leider als zu groß, so dass ich zwei im Abstand von 35mm hochkant aufgestellte Flacheisen 10x30x100 verwenden musste, um ein 4-Punkt-Gegenlager für das Stahlauge zu schaffen. Wichtig dabei ist die mittige Höhenlage der Pressteile relativ zu den Spannbacken, damit das Ganze nicht nach oben oder unten herausdrückt. Anschließend wurde das Stahlauge innen und die Aluhülse der neuen Buchse außen dünn mit Gleitmittel für KG-Rohre bestrichen und zur Vorab-Befestigung die Aluhülse dann vorsichtig mit einem Hammer verkantungsfrei einige mm hineingeklopft (das Stahlauge ist unten minimal konisch).
Nach Einsetzen des Verbunds in die Pressanordnung wurde genau ausgerichtet und dann eingepresst. Ein Foto von links oben zeigt den Zustand nach 1/3 des Pressvorgangs. Das Pressen wird mit zunehmender Einpresstiefe deutlich kraftzehrender, so dass ich mit einem 1,5kg-Hammer am Hebelende nachhelfen musste. Besser wäre gewesen, mir VORHER ein passendes Verlängerungsrohr für den Schraubstockhebel zurechtzulegen. Der Schraubstock selbst muss auch stabil festgeschraubt sein, ist ja klar...
Weitere 2 Fotos zeigen das hintere Querlenker-Gummilager im fertig eingepressten Zustand, eins von links oben aus der Nähe, noch im Schraubstock, und eins im Querlenker, draußen im Sonnenschein auf einem Tisch liegend. :-D

Wenn man von vornherein nur einpressen möchte, ohne auspressen zu wollen, sind andere Presswerkzeuge sinnvoll: Mehrere möglichst dicke aufeinander gelegte Lochplatten, deren Biegefestigkeiten sich aufaddieren (z.B. 10mm dicke Stahlplatten, drei Stück je Presseite, die inneren beiden mit großzügigem Loch zur Aufnahme der axial 12mm überstehenden Gummibuchsen-Innenhülse (DM 32mm) , die jeweils äußere ohne Loch oder mit kleinem Loch für Gewindestange + Spannmuttern, dann auch ohne Schraubstock zu verwenden).
z.B. 80x80x10mm mit Loch-DM 42,4mm (4x) und 21,3mm (2x, kleiner gibt's da nicht):
https://www.ebay.de/itm/Abdeckung-Anker ... GVW6llQM8w

Aus- und Wiedereinbau des Querlenkers:
1. Zum Lösen des Traggelenkbolzens aus der Radschenkelträger-Klemmbohrung ist es hilfreich, einen passenden spitzwinkligen Keil aus federhartem Material vorzubereiten, den man zur Nutspreizung mit einem Hammer in die Klemmnut schlagen kann, hergestellt z.B. aus einer alten Astschere. Dabei auf etwas Überstand achten, damit man diesen Klemmkeil auch wieder aus der Klemmnut herausschlagen kann. Rostlöser hilft nur bedingt.
2. Vor dem Wiedereinbau sollte nicht nur der Traggelenkbolzen außen, sondern vor allem auch die Radschenkelträger-Klemmbohrung innen im Bereich der umlaufenden Traggelenk-Bolzensicke von Rost gereinigt werden (rundes Hölzchen plus Sandpapier), weil gerade der hier sitzende Rost das gewaltfreie Einführen des Bolzens erschwert (den Ausbau sowieso, aber hier darf von oben her ja auch gehämmert werden, bis sich der Bolzen bewegt).
3. Wenn die alte Schraube 10.9 samt Mutter noch gut ist (Rostauflage, aber nicht VERrostet) und wiederverwendet werden kann (eine schöne hohe Mutter!), sollte/muss zusätzlich eine flüssige Schraubensicherung verwendet werden (mittelfest reicht). Ich habe die Schraubensicherung nicht nur im Gewindebereich der Mutter eingesetzt, sondern auch in der Nähe des Schraubenkopfs. Sollte die Schraube also reißen, sitzen BEIDE Restteile immer noch fest in ihrer Bohrung und das Traggelenk bleibt via Bolzennut/Schraubenreste formschlüssig unverlierbar (auch wenn es vielleicht klappert). Anzugsmoment wegen der Schmierwirkung der Schraubensicherung um 10...12% kleiner gewählt, nur ca. 29 Nm statt 32 Nm. Schraube 10.9 vor dem Ausbau am Kopf markiert, um sie unverdreht wieder einsetzen zu können.
Einbau des Querlenkers folgt...

Bild
#1

Bild
#2

Bild
#3

Bild
#4

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Verfasst: 12.04.2018, 20:35 


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BeitragVerfasst: 13.04.2018, 10:58 
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1. Wenn die Schraubstockhöhe es zulässt, eignen sich mehrere gelochte Ankerplatten 100x100x10mm deutlich besser als Gegenlager.
Die sind nur wenig teurer, aber biegefester.
2. Hier noch die beiden vermutlich günstigsten Angebote für die Lager selbst:
a. https://www.ebay.de/itm/Querlenkerlager ... 3469262914
b. https://www.ebay.de/itm/Querlenkerlager ... 1485956727
3. Vor dem Einpressen muss das Stahlauge innen natürlich mit Sandpapier von allem Rost befreit werden, bis es wieder glänzt.
4. Die "Unordnung" auf meiner Werkbank (links neben der Sichtschutzpappe) bitte ich zu entschuldigen... :wink:

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BeitragVerfasst: 15.04.2018, 19:31 
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sehr schön gemacht.

und einen haufen kohle gespart .


gruß, stefan


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BeitragVerfasst: 15.04.2018, 22:42 
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Danke für das Lob... :oops:
Der alte Querlenker ist jetzt wieder eingebaut.
Die Wiederverwendung des "Altlenkers" hat zusätzlich noch den Vorteil,
dass es haargenau derselbe ist, ganz ohne Maßabweichungen.
Mit diesem ersten Querlenker samt nagelneuen Gummilagern wurde werksseitig die Spur eingestellt.
Da werde ich jetzt nicht hingehen und die Spur nachmessen geschweige denn einstellen.
Das hab' ich mir dann auch noch erspart... :wink:

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BeitragVerfasst: 21.04.2018, 22:55 
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Hast du keine Probleme da die Schrauben dünner sind als die Buchsen von den Lager?
Sobald man die Schrauben an dem Querlenker öffnet ist automatisch die Spur und auch der Sturz etwas verstellt.

Das ist zumindest bei mir so.

Gruß Martin


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BeitragVerfasst: 21.04.2018, 23:29 
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Hab' mich jedenfalls an die Vorgaben im eLearn gehalten, mit einer Ausnahme.
Hier ist zu lesen, dass alle drei Schrauben zunächst locker angezogen werden sollen,
dann das Fahrzeug mit Nennlast auf seine Räder zu stellen ist,
und erst dann die Schrauben mit Drehmoment festgezogen werden sollen.
Was die beiden M12 mit Feingewinde betrifft, ist das ja auch plausibel.
(Nach dem "Auf-die-Räder-stellen" hab' ich das Auto sogar noch vor und zurückgerollt,
um einen radseits wirklich unverspannten Zustand zu erreichen.)
Vor allem die Hülse um die vordere M12 sollte dabei nach außen gezogen werden
und dadurch in derselben Position festgezurrt sein wie schon werksseitig.
Nur bei der M8-Schraube 10.9 hab' ich das anders gemacht,
weil hier der Traggelenksbolzen, wenn er schön in seiner Bohrung festgeklemmt ist,
absolut kein Spiel in welche Richtung auch immer haben kann (!).
Diese Schraube hab' ich schon VOR dem "Auf-die-Räder-stellen" mit 30Nm angezogen.
Trotzdem einwandfreiem Geradeauslauf und mittiger Lenkradposition
hab' ich visuell trotzdem den Eindruck, dass das linke Vorderrad minimal etwas nach links zielt.
Ich muss das doch mal nachmessen, durch Anpeilen der Reifenkanten aus 25m Entfernung
mit einem Fernglas. Werd' mir dazu noch was Millimetergenaues überlegen.
Blöd, dass ich den Zustand der vorderen Gummibuchse nicht besonders geprüft habe.
Erhöhtes Spiel hat die aber meiner Erinnerung nach nicht gehabt...

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BeitragVerfasst: 16.05.2018, 10:40 
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sparky hat geschrieben:
...Nach dem "Auf-die-Räder-stellen" hab' ich das Auto sogar noch vor und zurückgerollt,
um einen radseits wirklich unverspannten Zustand zu erreichen.
Vor allem die Hülse um die vordere M12 sollte dabei nach außen gezogen werden
und dadurch in derselben Position festgezurrt sein wie schon werksseitig...

Das ist eben die Frage, wie das werksseitig genau gemacht wurde!
Messung der Spur ergab, dass da vorne jetzt etwas mehr als 1 mm Nachspur ist.
Das ist knapp außerhalb der Toleranz von 0 +/- 1 mm.
Gemessen hab' ich das wie folgt:
Mir vom Fensterbauer aus 100 x 100 mm PVC-Winkelprofil vier Abschnitte 50 mm besorgt.
Dort innen in 20...60 mm Abstand vom Winkel 3 mm dicke Gummistreifen aufgeklebt.
Diese Winkelabschnitte paarweise hinter die vorderen serienmäßigen Fiat-Radkappen geklemmt,
und zwar so, dass ich die nach links und rechts herausragenden Winkelkanten
von vorne und von hinten visuell anpeilen und die Kanten dabei in senkrechte Flucht bringen konnte.
Die PVC-Winkel werden dabei elastisch an die Vorderrad-Felgenkanten gedrückt.
Aus 25 m Distanz von vorne und von hinten die 4 Positionen auf dem Asphalt markiert.
Differenz der Links-Rechts-Abstände vorne und hinten gebildet und diesen Wert (50 m Distanz)
dann auf die Spurdifferenz für 35 cm Felgenhorndurchmesser umgerechnet.

Zum Auf-die-Räder-stellen:
Die vordere Querlenkerhülse (DM 14mm bei Schrauben-DM 12 mm)
hat den größten Einfluss auf die spätere Spur / den Sturz.
Wird das Fahrzeug vor dem Anziehen noch gerollt, zieht das Rad die Hülse nach außen!
Wird das Rad dagegen nicht mehr gerollt, drückt das Rad die Hülse nach innen!
(Der etwa in die Waagerechte einfedernde Querlenker erzwingt diese Bewegung!)
Die Nachspur wird dadurch kleiner. Auch auf den Sturz wirkt sich das (etwas) aus.
Das werde ich dann wohl beim nächsten Radwechsel vorne links korrigieren:
Wagen anheben, Rad abnehmen, vordere Querlenkerschraube lockern,
anderes Rad aufsetzen, Fahrzeug runterlassen, Querlenkerschraube wieder anziehen.

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